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Vereinsgeschichte des Judo-Club Wetzlar 1963 e.V.


von der Idee und Gründung im Jahre 1963 bis in die Gegenwart
Entwicklung des Judo in Deutschland
Ich möchte mit einigen Worten zur Entwicklung des Judo in Deutschland mit einem Auszug aus dem Buch “Judo” von Wolfgang Hofmann aus dem Jahre 1973 beginnen.
“In Deutschland waren es Erich Rahn, der 1905 die erste Judo-Schule in Berlin eröffnete, und Alfred Rhode, Mitbegründer des ersten deutschen Judo-Clubs in Frankfurt 1920, die ihr Leben dem Judo-Sport widmeten und das Hauptverdienst an der Verbreitung des Judo haben. Waren vor dem Zweiten Weltkrieg auch einige japanische Lehrer in Deutschland, so war ihr Einfluss doch dadurch sehr begrenzt, dass sie immer nur für einige Tage im Jahr die lernbegierigen Deutschen versammeln konnten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach einer von den Alliierten verordneten kurzen Zwangspause, nahm Judo als Sport einen ungeahnten Aufschwung.
Wie sehr Judo von einer einstigen japanischen Domäne zu einem weltweiten Sport geworden ist, lässt sich an dem Ergebnis der Olympischen Spiele 1964 in Tokio ablesen: Von den 16 Medaillen in vier Klassen fielen fünf an Asien, eine an Australien, zwei an Amerika und acht an Europa, darunter die Goldmedaille des Weltmeisters Geesink (Holland)”. Im Gründungsjahr des Judo-Clubs Wetzlar gelang es dem Braungurt Glahn bei den Judo-Europameisterschaften in Genf im Schwergewicht Europameister zu werden. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Europäischen Karate-Union (EKU) in Paris.
Gründung des Vereins und der Abteilungen von 1963 bis 1970
Die Idee zur Gründung eines Judo-Clubs in Wetzlar hatte Hermann Redhardt, unser heutiger Ehrenvorsitztender des Vereins. Der damals 24-jährige arbeitete in Frankfurt als Bäcker. Einige Kollegen nahmen ihn zum dortigen Judo-Club mit. Hermann Redhardt erwarb sich Grundkenntnisse in dieser fernöstlichen Sportart, die im heimischen Raum noch so gut wie unbekannt war. Nach Beendigung seiner Frankfurter Tätigkeit kehrte er nach Wetzlar in das Geschäft des Vaters zurück und schloss sich bald dem damals in Aufbau befindlichen Giessener Judo-Club an. Nach Vervollkommnung seiner Judo-Kenntnisse gründete er dann 1963 mit Hilfe des damaligen Sportamtsleiters Drumm den Judo-Club Wetzlar.
Die Absicht, in Wetzlar einen Judo-Club zu gründen, wurde in der Wetzlarer Neuen Zeitung (WNZ) veröffentlicht. Über 100 Interessenten meldeten ihre Teilnahme. In der Gründungsversammlung, die am 01. Juni 1963 im Hotel “Deutsches Haus” in Wetzlar stattfand, wurden der Vorstand vollzählig gewählt und darüber hinaus beschlossen, dass der neu gegründete Verein unter dem Namen Judo-Club Wetzlar in das Vereinsregister eingetragen werden soll. Der damalige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: 

  1. dem 1. Vorsitzenden Rudolf Woite
  2. dem 2. Vorsitzenden Ingo Seibert
  3. dem Schriftführer Winfried Wolf
  4. dem Kassenwart Peter Zelter
  5. dem Sportwart Hermann Redhardt
  6. dem Jugendwart Johann Druschel
  7. dem Pressewart Manfred Michl

Der Club trainierte von Anfang an in der Turnhalle der Ludwig-Erk-Schule, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem wunderbaren Programm hier in der Stadthalle gefeiert hat. Zur ersten Judomatte verhalf uns der damalige Sportamtsleiter Drumm. Die Mattenfläche kostete damals rund 1.000 DM. Die Judoanzüge mussten alle selbst kaufen; so wie es heute auch noch ist. Schon damals kamen die Mitglieder, vor allem Kinder und Jugendliche, aus dem ganzen Altkreis Wetzlar, um Judo zu lernen.
Am 13. November 1963 wurde der Club als eingetragener Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Wetzlar unter Nr. 284 eingetragen. Schon damals wie heute lautete der Vereinszweck:

  1. Die körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder durch Leibesübungen (Turnen, Spiel, Sport) auf der Grundlage des Amateurgedankens.
  2. Die Verbreitung der Budo-Sportarten ist ein besonderes Anliegen des Vereins.

Bereits im Jahre 1964 nahm der junge Club Kontakte zu Judo-Freunden in Avignon und wenig später in Colchester auf.
Im Sommer 1968 feierte der Club, der bereits die stolze Mitgliederzahl von knapp 250 aktiven Judosportlern aufweisen konnte, sein fünfjähriges Bestehen mit einer Großveranstaltung im “Wetzlarer Hof”. In weiser Voraussicht wurde im gleichen Jahr innerhalb des Judo-Clubs die Karate-Abteilung und zwei Jahre später die Ju-Jutsu-Abteilung gegründet.

 

Die siebziger Jahre
Auf der Jahreshauptversammlung am 11. Januar 1971 wurde Gründer und “Motor” des Vereins Hermann Redhardt, bis dahin in der Funktion des Sportwartes, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zum weiteren Vorstand gehörten Manfred Michl, Oskar Kunze, Wolfgang Haseneier, Haymo Holaschke, Hans Druschel und Karl-Heinz Hetzer.
Die Jugendarbeit des Vereins brachte erstmals 1971 sportliche Erfolge. Helga Steiner wurde Deutsche Meisterin der weiblichen Jugend. Ludwig Bellach wurde Hessenmeister in der Gewichtsklasse bis 40 kg. Ernst Leckel und Dieter Beckert belegten den 2. Platz bei den Bezirks-Einzelmeisterschaften der Schüler.
Der Club zählte am 01. Januar 1972 bereits 438 Mitglieder. Um leichter und flexibler zu Wettkämpfen und Begegnungen in ganz Hessen fahren zu können, kaufte man 1972 mit einigen Anstrengungen und durch Spenden unterstützt den ersten eigenen Kleinbus.
Helga Steiner wurde 1973 zum dritten Male Deutsche Meisterin der weiblichen Jugend. Aufgrund dieser großartigen Leistung hat ihr das Deutsche-Dan-Kollegium den 1. Dan (Schwarzer Gürtel) verliehen.
In den Jahren 1973 und 1974 begannen die ersten Kontakte zu japanischen Studenten der Universität Nagoya, die geführt von Professor Itaya auf ihrem Europatripp wegen Goethe und Optik in Wetzlar Station gemacht haben.
1974 machte sich eine Judo-Gruppe aus Wetzlar auf in das Land, in dem dieser Sport in hoher Blüte steht: nach Japan. 15 Mitglieder flogen nach Nagoya, der zweitgrößten Stadt Japans, zu einer Informations- und Freundschaftsbegegnung. Dieses Erlebnis ist bis heute das einzige seiner Art geblieben. War es doch mit Anlass dafür, dass die Gäste aus Japan, später mit Professor Inagaki, noch mehrmals den Judo-Club und die Stadt Wetzlar besucht haben.
Die achtziger Jahre
Die Karatekas landeten bei den Deutschen Meisterschaften am 26. und 27. April 1980 ihre bisher größten Erfolge. Deutsche Meister wurden Mathias Claudy und Hans Zimmermann, Vizemeister wurde Peter Hainke und auf den 4. Plätzen landeten Rolf Daub und Thomas Courtin. In den Folgejahren werden in der Sportart Leichtkontakt-Karate noch etliche Meistertitel von Peter Hainke und Mathias Claudy, die inzwischen dem Kader der Deutschen-Karate-Union angehören, errungen.
Am 01. November 1984 wurde der 80. Geburtstag von dem Ehrenmitglied Hans Druschel als ältestem aktiven Judoka des Vereins gefeiert. Hans Druschel, der den Verein mit ins Leben gerufen hat, war weiterhin in seinem hohen Alter Übungsleiter und stand noch dreimal wöchentlich auf der Matte. Der in Essen geborene Hans Druschel war bereits vor dem 2. Weltkrieg in der Krupp-Betriebssportgruppe für Jiu-Jitsu, dem Vorläufer des heutigen Judos. Mit 67 Jahren legte Hans Druschel 1971 in Frankfurt bei Alfred Rhode und Otto Schmelzeisen, zwei deutsche Judo-Veteranen, die Prüfung zum 1. Dan ab.
Der Übungsleiter für Ju-Jutsu, Ralf Kunar, verselbständigt sich und gründet im Herbst 1984 den Ju-Jutsu-Club Wetzlar. Als Folge davon wurde wegen der Ähnlichkeit des Vereinsnamens durch Beschluss der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 11. Januar 1985 die Satzung geändert und neu gefasst. Der Verein führt seitdem den Namen Judo-Club Wetzlar 1963 e.V.
An Pfingsten 1986 machten der Club einen Partnerschaftsbesuch in Colchester.
Für seine hervorragenden Leistungen in der Jugendarbeit und der vorbildlichen Talentförderung wurde dem Verein das “Grüne Band” der Dresdner Bank verliehen. Diese Auszeichnung, die der Club im Februar 1987 erhielt, war mit einer Förderprämie von 10.000 DM verbunden. Der Verein war aus dem bundesweiten Wettbewerb, den die Dresdner Bank und der Deutsche Sportbund jährlich veranstalten, als Sieger im Karatesport hervorgegangen. Die Auszeichnung wurde mit folgender Begründung verliehen: Von den 78 Mitgliedern der Karate-Abteilung sind 41 Kinder und Jugendliche, unter denen sich auch viele erfolgreiche Angehörige ausländischer Familien wie Ali Oglu, Metin Kilic oder Rosa Maria Garcia befinden. In der Begründung hieß es, “Wir verstehen unsere Jugendarbeit als einen aktiven Beitrag zum Jugendschutz”. Diese hohe Ziel geht einher mit ausgezeichneten Leistungen im nationalen und internationalen Wettkampfverkehr.
Besonders bekannt geworden ist die Karate-Abteilung in den achtziger Jahren durch das Ausnahmetalent Ali Oglu, der mehrmals Hessenmeister und Deutscher Meister wurde. Ein ZDF-Team hielt sich 14 Tage in Wetzlar auf, um ein ca. halbstündiges Portrait von Ali Oglu über den Alltag eines Spitzensportlers anzufertigen.
Professor Inagaki war zum zehnten Mal in der Goethestadt und brachte 18 japanische Informatikstudentinnen aus Nagoya mit, die in Familien untergebracht wurden. Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen am 26. Juli 1988, das im Bürgerhaus in Hüttenberg stattfand, zeigten die Japanerinnen in farbenprächtigen Kimonos gekleidet eine fernöstliche Teezeremonie und sangen Lieder ihrer Heimat. Neben vielen anderen Darbietungen zertrümmerte der Karateka Karl-Heinz Hetzer mit einem Hieb 10 Dachziegel. Das hiervon gemachte Foto ziert heute noch die Wand im Foyer der Turnhalle der Ludwig-Erk-Schule.
Die neunziger Jahre
1990 betreibt der Verein seit 20 Jahren die moderne Selbstverteidigungssportart Ju-Jutsu als einer der ersten Vereine in Hessen. Mehr als 100 aktive Sportler nehmen am Trainingsgeschehen regelmäßig teil. Aus diesem Anlass fand am 07. Juli 1990 im Saalbau Niedergirmes eine Jubiläumsveranstaltung statt. Zahlreiche Gäste erlebten mehrere sportliche Vorführungen in Ju-Jutsu und Kung-Fu. Der Zauberer Claudio del Norte sowie der Asslarer-Carneval-Verein begeisterten das Publikum mit ihren Darbietungen.
Im Jahre 1993 feiert der Club seinen 30. Geburtstag mit verschiedenen Veranstaltungen. Der Höhepunkt bildetete die “Riesenshow der Kampfkünste”, wie es die WNZ bezeichnete, an der 60 Spitzensportler die 700 Besucher der Wetzlarer Stadthalle begeisterten. In der Planungsphase zum 40-jährigen Jubiläum wurde zunächst an eine Neuauflage dieser erfolgreich und für Wetzlar einzigartigen Show gedacht. Der Vorstand hat jedoch aufgrund finanzieller Erwägungen und Risiken davon Abstand genommen.
53 Kämpfer der Judo- und Ju-Jutsu-Abteilung folgten über Pfingsten 1994 einer Einladung des belgischen Vereins Satori Kwai in Mortsel (bei Antwerpen) zu einem Freundschaftsturnier.
In der Mitgliederversammlung am 06. Januar 1997 legte Hermann Redhardt das Amt als 1. Vorsitzender nieder und übergibt den Vorsitz an Siegfried Kramer. Hermann Redhardt wird anschließend von der Mitgliederversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen 2. Vorsitzenden wird Alexander Perfahl gewählt, der das Amt bis heute noch inne hat.
Die Meldung in der WNZ am 20. Februar 1997 lautet: “Riesenerfolg für den jungen Wetzlarer Karateka in Sofia”, “Deniz Kilic erkämpfte in einem dramatischen Finale den Europameistertitel im Kumite-Karate bis 75 kg.”. Deniz Kilic war nicht nur der einzige Karateka aus dem deutschen Team, dem es in Sofia gelang, einen Titelgewinn zu erkämpfen, sondern auch der erste Europameister im Kumite, der aus Hessen kommt.
Im Sommer 1998 folgte die dritte Auflage des Themas “Kaltduschen”. Bereits 1975 unter dem damaligen Landrat Dr. Rehrmann und 1983 unter Dr. Demmer scheiterten die Vorstellungen der Politiker. Die Ju-Jutsuka Judith Volk und Reinhard Wenzel hatten den Landrat des Lahn-Dill-Kreises zum Kaltduschen eingeladen. Das leidige Thema wurde 1999 wieder zu den Akten gelegt.
Am 22. Januar 1999 erhielt der Verein aus den Händen von Oberbürgermeister Dette und Bürgermeister Breidsprecher den mit 2.000 DM dotierten Jugend-Förderpreis 1998 für die gelungene Erfüllung der seit über drei Jahrzehnten praktizierten Jugendarbeit.
Das neue Jahrtausend
Mit dabei waren die Ju-Jutsukas beim “Festival des Sports” im August 2000. Die Abteilung imponierte mit seinen Vorführungen auf dem Schillerplatz und der Lahninsel.
Die Judo-Abteilung beteiligte sich an den “15. Europäischen Jugendspielen der Partnerschaft” vom 28. April bis 01. Mai 2000 in der Kulturstadt Avignon und vom 03. bis 06. Mai 2002 zu den “16. Europäischen Jugendspielen” in der Partnerstadt Colchester. Die im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Begegnungen werden vom 28. bis 31. Mai 2004 in einer neuen Form unter der Bezeichnung “Euro-Festival” unter der Federführung der Stadt Wetzlar und des Sportkreises 13 in Wetzlar ausgetragen. Die Judo-Sportler des Vereins nehmen seit vielen Jahren an den Jugendspielen teil.
Besonders erfolgreich in den letzten drei Jahren waren die Karatekas Deniz Kilic und Cem Cevik. Die größten Erfolge für Deniz Kilic waren der zweite Platz mit der Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften in Wien im November 2001 und ein Jahr später die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Madrid. Er erhielt 2001 im Rahmen der jährlich stattfindenden Sportlerehrung die Sportplakette in Gold aus den Händen von Oberbürgermeister Dette und Bürgermeister Breidsprecher und belegte den 3. Platz bei der Wahl zum “Sportler des Jahres 2002″. Ähnlich sieht es bei Cem Cevik aus. Als jüngster Teilnehmer des Deutschen-Karate-Verbandes belegte er beim ersten Einsatz der “Senioren” den 7. Platz bei den Europameisterschaften im Mai 2000 in Istanbul. Im September 2000 kehrte er ebenfalls mit einem guten 7. Platz von der “British Karate Open” aus London zurück. Bei der Wahl zum “Sportler des Jahres 2000″ erreichte er den beachtlichen 2. Platz. Die Erfolgsserie setzte sich fort auf der “Danish Open” in Aalborg, auf dem internationalen “Shotokan Cup” in Bonn, dem “Venedig Cup”, in Mailand beim internationalen Kumite-Turnier, der “German Open” in Bonn und bei den Deutschen-Karate-Meisterschaften im März 2002 in Bergisch-Gladbach.
Die Abteilungen des Vereins nehmen regelmäßig mit mehreren gemeldeten Mannschaften am Wetzlarer Brückenlauf teil.
In der Mitgliederversammlung am 28. März 2001 wurde auf die Euro-Währungsumstellung zum 01. Januar 2002 mit einem entsprechenden Beschluss reagiert. Alle DM-Sätze wurden umgewandelt und die Vereinsbuchführung auf die Situation vorbereitet. Die ersten Planungsschritte für einen Internetauftritt wurden auf den Weg gebracht. Parallel zu den Vorbereitungen auf die heutige Sport-Gala wurde in den vergangenen Monaten mit zunehmenden Zeitdruck auf die Veröffentlichung des Internetauftrittes hingewirkt.
Zusammengestellt von Siegfried Kramer anlässlich des 40-jährigen Vereinsjubiläums am 01. November 2003.


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